Pubertät, wenn Eltern seltsam werden

 

Das ist wohl die “ schwierigste “ Zeit im Leben: massive körperliche und psychische Veränderungen, erstrecken sich über einige Jahre und sind für alle Beteiligten nicht leicht. Wann die ersten pubertären Veränderungen auftreten ist individuell verschieden.

Körperliche Veränderungen kurz beschrieben: 
Mädchen beginnen meist 1 bis 2 Jahre früher mit den ersten Veränderungen. Hormone des Hypothalamus und der Hirnanhangdrüse setzen die Entwicklung zur Frau in Gang. Dabei werden die Eifolikel der Eierstöcke dazu angeregt Östrogen zu produzieren. Dieses Hornon ermöglicht weitere Veränderungen. Zunächst  beginnen sich die Brustwarzen und Brüste zu entwickeln. Das kann kribbeln aber auch schmerzhaft sein. Brustwarzen und Schamlippen färben sich dunkler und Schamhaar wächst. 1 bis 2 Jahre später beginnt der gesamte Körper sich weiblich zu runden und Achsel Haare wachsen. Außerdem erfolgt ein Wachstumsschub. Gleichzeitig reifen die inneren und äußeren Geschlechtsorgane. Der letzte Schritt ist das einsetzen der Periode mit etwa 11 bis 14 jahren. Der Menstruation kann ein weißlicher Ausfluß voran gehen. Schmerz und Unwohlsein, sowie Stimmungsschwankungen begleiten die Monatsblutung häufig. Mit etwa 17 Jahren ist die körperliche Entwicklung abgeschlossen.
Bei jungen beginnt die Pubertät etwas später, etwa mit dem 11 bis 15. Lebensjahr. Die Körperbehaarung verstärkt sich und der Stimmbruch setzt ein. Der Hoden wächst und der Hodensack  färbt sich dunkler. Die Schamhaare beginnen zu wachsen und auch der Penis wird dicker und länger. Prostata und Bläschendrüse reifen heran. Außerdem findet auch bei Jungs ein Wachstumsschub statt. Dieser ist häufig sprunghaft und “ unkoordiniert. Er hält etwa 3 bis 4 Jahre an. Dabei wird der gesamte Körperbau “ männlicher „und muskulöser. Zwischen dem 11 bis 16 Lebensjahr findet der erste Samenerguss statt. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt als „feuchten Traum“.
Die Entwicklung ist erst um das 19 Lebensjahr herum beendet.
Phasen der Pubertät:
Die Vorpubertät beginnt meist zum Ende der Grundschulzeit und erstreckt sich über 1 bis 2 Jahre. Begleitend treten Bewegungsdrang und Unruhe auf. Mädchen sind “ aufgedreht“ und Jungs beginnen sich vermehrt mit Gleichseitigen zu messen. Auch das “ Zurück ziehen“ ist jetzt typisch und ein Zeichen für den Drang nach Eigenständigkeit. Dann wiederum wird die Nähe und Geborgenheit der Familie gesucht.
In der Hochpubertät ( 12-16) setzt vor allem die körperliche und sexuelle Entwicklung ein und das Schamgefühl ist deutlich ausgeprägt. Mit heimlichen Blicken wird die eigene Entwicklung oft mit der von Altersgenossen verglichen. Besonders den Mädchen ist nun vieles peinlich.  Gleichaltrige werden als Bezugspersonen immer wichtiger. Zudem suchen Teenager ihren Platz in der Gesellschaft. In dieser Phase beginnt auch das Interesse am andern Geschlecht und der Austausch von Zärtlichkeiten, sowie häufig auch der erste Grschlechtsverkehr zum Ende dieser Phase hin. Typisch ist eine heftige “ Verschlossenheit „.
In der Spätpubertät, ab etwa dem 16 Lebensjahr haben sich alle Beteiligten an die körperliche Entwicklung gewöhnt und es ist nicht mehr alles so aufreibend. Der fortschreitende Prozess des Erwachsenwerdens und die zunehmende Sexualität  wird als normal empfunden.
Die Pubertät ist eine aufregende Zeit für Eltern und Kinder.  
Mit dem Wissen über körperliche und psychische Veränderungen und de Erinnerung an die eigene Pubertät gelingt es mehr Verständnis für den Heranwachsenden zu entwickeln. Mein persönliches Zauberwort ist GELASSENHEIT. Das Kind kann man jetzt nur noch begleiten bzw anleiten und nicht mehr erziehen. Dennoch ist es wichtig, dass sich ALLE an Absprachen und Vereinbarungwn halten. Das stärkt das Vertrauen und ermöglicht es dem Teenager zunehmend Freiheiten einzuräumen. Neben den Rechten, gibt es auch Pflichten. Was für Eltern selbstverständlich ist aber von den Teenagern erst angenommen werden muss. Schließlich ist das Verlassen der Kindheit, so ähnlich wie die Vertreibung aus dem Paradies. 
 
Mit der Pubertät ist es an der Zeit, dass Kinder und Eltern verstehen, sich voneinander zu lösen und sich gegenseitige Freiheit zuzugestehen
 
Derzeit habe ich Kinder in allen Phasen der Pubertät, eine volljährige und ein Kindergarten Kind. Natürlich reicht dies nicht aus, um mich als „Fachmann“ für Pubertät dazustellen. Dennoch möchte ich meine Erfahrung und Meinung teilen.
 
Die erste Pubertät war tatsächlich schwer zu etragen. Da sie allerdings auch nicht regelgerecht und ungestört ablaufen  konnte. Dadurch sind wir Eltern massiv abgehärtet. Themen wie:“ ich hab die Pille vergessen und könnte Schwanger sein!“ , Drogen und Kriminalität kamen vor. Wir kannten damit schon den schlimmsten “ Verlauf“. Gemessen an dieser Erfahrung, waren die kurzen Ausbrüche und Stimmungschwankungen natürlich harmlos. Und auch den Rückzug des pubertären Kindes, empfanden wir beim zweiten Mal, garnicht mehr so schlimm. Wir unterstützen dies sogar. Auf Wunsch darf sogar im eigenen Zimmer gegessen werden. Allemal besser als zwanghafte und streitbeladene Essen am Familientisch. Dadurch besserte sich die Stimmung in der Familie bereits beachtlich. Allerdings pflegen wir auch gemeinsame Hobbys und Rituale. So ist immer noch ein starker Zusammenhalt gegeben. Am besten gelingt dies über Sport oder gemeinsames Kochen. Auch andere Familienprojekte werden in Angriff genommen. Ganz klar ist: es muss sich an gemeinsam getroffene Regeln und Absprachen gehalten werden. Nur das stärkt Vertrauen und ermöglicht weitere Freiheiten. Allerdings ist die “ Baustelle“ im Kopf des Pubertierenden nicht zu unterschätzen. Das Gehirn  befindet sich in einem massiven Umbau und verarbeitet Informationen anders. Daher ist es nicht unnormal, dass Absprachen nicht reibungslos umgesetzt werden, obwohl der Jugendliche willens ist. Bedürfnisse können sich rasch ändern und führen zu unvorhersehbaren Planänderungen. Das was wir als Erwachsene auch kennen, wir passen unseren Alltag schließlich ebenfalls flexibel den wechselnden Anforderungen an. Gerade als Eltern ist das tagtäglich der Fall. Diese Vorgehensweise hat sich schließlich durch die Betreuung unserer Kinder als Baby und Kleinkind manifestiert. Indem wir auf ( unvorhersehbare) Bedürfnisse eingehen mussten. Hinzu kommt, dass der Kopf eines Jugendlichen voller “ Neuheiten“ ist. Logisch, dass dabei dann eher mal etwas vergessen wird. Verständnis für diese normalen Prozesse und Vorkommnisse erleichtert die Pubertät für alle Beteiligten. 
Überdies haben wir festgestellt, dass unser  Vorbild, die Erziehung und die Bindung zum Kind wesentlich zu einem regelgerechten Verlauf der Pubertät beigetragen haben. Wenn wir sehen, dass Pflichten, wie zum Beispiel die Schule, ernstgenommen werden und ein “ ordentlicher “ Lebenstil gepflegt wird, dann haben wir unsere Kinder auch stärker in der Umsetzung ihrer Pläne unterstütz. Sei es durch finanzielle Mittel oder “ Fahrdienste“. Ich sehe es als eine großartige Leistung an, wenn die Heranwachsenden “ vernünftig“ ihr Leben gestalten und nicht ziellos mit Handy herumgondeln oder ständig mit der Spiele Konsole beschäftigt sind. Ein festes Hobby und eine aktive Freizeitgestaltung, sind sehr hilfreich. Die Basis dafür wird vor der Pubertät gelegt. Und ist unsere Meinung nach sehr wichtig. Außerdem müssen sich Eltern klar machen, dass sie immer Vorbild sind. Ich persönlich denke, dass man nur die Dinge von seinem Kind erwarten kann, die man selbst umsetzt. Beispielsweise die Ordnung. Erst, wenn ich selbst alles in Ordnung halte, kann ich dies von meinen Kindern erwarten. Das bezieht sich auf solche Dinge, die unabhängig vom Alter bzw Reifegrad sind. Als Eltern sollte man sich auch bewusst machen, dass den Kindern mit den Jahren auch gesetzlich mehr Rechte zustehen. Natürlich finde ich manches davon nicht praktikabel, z.B. lange Ausgangszeiten in der Woche wo Schule ist. Meiner Meinung nach, sollten sich Eltern und Jugendliche gemeinsam darüber austauschen und einen guten Kompromiss finden. Ich meine aber auch, dass Jugendlichen mehr Pflichten abverlangt werden können. So sollten sie zunehmend in ihrer Eigenständigkeit unterstützt werden. Beispielsweise selbständig Dinge, die sie betreffen regeln,  beispielsweise den Praktikumsplatz suchen oder einen Ferienjob ausfindig machen. Zudem kann ich im Alltag unterstützende Tätigkeiten erwarten, z.B. Rasen mähen, usw….
 
Wenn es nicht rund läuft, dann sollte man sich  nicht scheuen und Unterstützung suchen. Ich finde eigentlich, dass eine derartige Hilfe allen Jugendlichen zugestehen sollte. Ich empfinde die heutige Zeit für Jugendliche schwieriger als vor einigen Jahrenzehnten. Vor allem weil das Handy die gesamte Entwicklung negativ beeinflusst. Aber auch der allgemeine Wandel in der Gesellschaft. Das Familiengefüge verliert zunehmend an Bedeutung. Beispielsweise gestalten Großeltern noch lange selbst ihrer Freizeit und möchten nicht ständig ihre Enekel betreuen. Die allgemeine Situation der Kinder Betreuung hat sich gravierend vdrändert. Eine frühe und ganztägige Betruung von Kindern im Kindergarten und Schule ist mittlerweile normal. Ich sage dazu ganz provokativ : wenn ich als Eltern die Erziehung meines Kindes nicht überwiegend selbst übernehme, sondern in die Hände anderer Menschen abgebe, muss ich mich nicht wundern wenn es nicht nach meinen Wünschen läuft. Natürlich meistern Erzieherinnen, Betreuer und Lehrer oft Großartiges. Aber die Eltern können Sie nur in seltenen Fällen wirklich ersetzen. 
Wenn es nicht gut läuft in der Pubertät, sind aber nicht im Eltern oder Bezugspersonen die Schuldigen. Dazu sind die Einflüsse, welchen die Heranwachsenden ausgesetzt sind, zu vielschichtig. Vor allem Gleichaltrige, Klassenkamerade und Freunde prägen und entscheiden. Oft ist es ei ungünstiges Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. Und Eltern bzw Bezugspersonen sind nur Menschen. Das Fehler gemacht werden ist völlig normal. 
Manchmal kommen allerdings auch psychische Erkrankungen vor, die eine regelgerechte (pubertäre ) Entwicklung erschweren. Dabei ist man schon soweit, Umweltfaktoren, bzw Umweltgifte für eine Zunahme solcher psychischen Störungen, verantwortlich zu machen. 
 
 
 #pubertät 
 
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