Vegane Kinder Ernährung

Dies ist wirklich ein heiß diskutiertes Thema, denn bei der  Ernährung von Kindern und Jugendlichen, muss man an viele Aspekte denken, nicht nur an Nährstoffe.

Ich möchte mit einem fiktiven Beispiel dazu anregen, sich einmal in das Kind zu versetzen und nachzuempfinden, wie vegane Ernährung möglicherweise empfunden wird, weil diese leider (noch) recht selten praktiziert wird.

Mia ist schon Vorschulkind. Sie hat einen kleinen Bruder Linus, der ist 2, und ihre Familie lebt vegan. Mia versteht auch, warum das so ist. Ihre Eltern haben mit ihr die kleinen Schweinchen und Kälbchen auf dem Bauernhof besucht, die würde Mia niemals essen. Mia hat bei ihrem Besuch auch erlebt, dass die kleinen Kälber von der Mutter, einer Milchkuh,  getrennt werden und nicht bei ihr am Euter nuckeln dürfen. So wie Linus es noch gern hat. Die “  Baby Kühe “ tun ihr leid. Deswegen möchte sie die Milch nicht trinken. Mia versteht das, sie ist ja schon groß! Sie weiß von den Eltern auch, dass die tierischen Lebensmittel ungesund sind. Gerade Milch würde schwer krank machen, Krebs machen, daran muss man oft sterben. Mias Oma ist auch an Krebs gestorben. Das macht Mia Angst, sie will nicht,  dass ihre Mutter auch stirbt, deshalb ist sie schon froh, dass alle in der Familie keine Milchprodukte essen. Mia versteht das, sie ist ja schon groß. 

Heute freut sich Mia auf den Kindergarten, dort feiert ihr bester Freund Tom, seinen 6 Geburtstag. Schnell frühstückt sie ihr Haferflocken Frühstück mit Obst und Mandelblättchen. Das schmeckt besser als Brot mit Schokocreme. Mia mag ihr Frühstück. Sie darf es abends immer selbst zusammenmischen. Jeden Tag anders. Dann kommt Pflanzemdrink dazu und am Morgen ist es leckeres Müsli. Mama sagt, das sei gesund und helfe ihr beim Lernen und Wachsen. 

Im Kindergarten kann sie direkt mit Tom spielen. Er hat auch schon daheim gefrühstückt und sein Geburtstags Geschenk mitgebracht. Einen Traktor. Tom liebt Traktoren. Beide spielen im Sandkasten mit dem neuen Traktor. Der hat einen Anhänger,  der sich mit Sand beladen lässt. Die Zeit vergeht schnell. Plötzlich ist es so weit, Tom darf seinen Geburtstag mit den anderen Kindergartenkindern feiern. Er hat Muffins mitgebracht. Da sind Möhren drin und auf jedem Muffin liegt eine kleine Möhre aus Zucker . Wie niedlich die aussehen. Mia freut sich. Sie greift nach den Küchlein, doch sofort mahnt die Erzieherin: “ Mia, die sind nicht vegan, da ist Ei drin !“. Mia weiß, dann darf sie die nicht essen. Schade. Aber Toms Mutter hat auch lustige Figuren aus Apfelscheiben ausgestochen. Die findet Mia auch toll. Danach wird gebastelt und gesungen. Schon ist es wieder Zeit zu essen. Heute gibt es für die Kinder Spaghetti Bolognese. Das ist sehr beliebt. Mia hat ihr Essen von Zuhause mitgenommen und es wird ihr im Kindergarten erwärmt. Sie hat Vollkornnudeln in Tierform dabei. Mit ihrer Lieblingsgemüse Soße.  Alle wollen davon probieren. Mia möchte auch gern die Spaghetti Bolognese probieren. Aber sie weiß schon, dass ist nicht “ vegan“. Da ist ja Fleisch drin. Mia denkt an die Kälbchen und Ferkel, und will nicht mehr von der Fleischsoße kosten. Nur ein paar “ helle“ Spaghetti. Die sind aber irgendwie langweilig. 

Dann kommt die Mama. Mia weiß, dass sie noch einen Kuchen für Toms Geburtstagsfeier backen wollen, damit Mia einen veganen Kuchen essen kann. Sie ist nämlich eingeladen zum Kindergeburtstag.  Sie hilft ihrer Mutter den Teig zu mischen. Das ist ganz leicht. Dann kommt der Teig in eine besondere Form, eine Traktor Backform. Linus mag Traktoren auch so gern. Sie wohnen ländlich und es fahren immer viele Traktoren umher. Die meisten Jungs finden die toll. Der Kuchen sieht ebenfalls toll aus. Und das sagen auch alle Kinder beim Kindergeburtstag. Toms Mama hat Toms Lieblingskuchen gebacken: Maulwurftorte. Die kleinen Gäste essen beide Kuchen, alles schmeckt. Nur Mia darf kein Stück vom lustigen Maulwurfkuchen. Der ist nicht vegan, da ist  Milch und Ei drin. Schade. Es gibt noch Obst – und Gemüsepicker und Apfelschorle.  Mia möchte Wasser. Das kennt sie von Zuhause und es löscht den Durst einfach besser. 

Alle Kinder machen lustige Spiele im Garten. Dann ist Zeit für das Abendessen. Es gibt Pizza.  Mia bekommt eine extra Pizza, die ist ohne Käse,  dafür hat sie ein lustiges Gesicht aus Gemüse. Alle anderen Kinder schauen neidisch. Trotzdem würde Mia gern mal ein Stückchen “ Käsepizza“ probieren. Wie die wohl schmeckt. Aber Toms Mutter hat ihr gesagt, dass die Pizza nicht vegan ist, Käse ist nicht vegan. Schon wieder dieses doofe Wort “ vegan“. 

Mia ist ein wenig traurig als sie abgeholt wird. Mias Mutter bedankt sich, dass Mia gut vegan versorgt wurde. Toms Mutter bedankt sich für den leckeren veganen Kuchen. Der wurde ganz aufgefuttert. Das macht Mia stolz. Schließlich hat sie mitgebacken. 

Abends fragt Mia die Mama, ob sie nicht mal ein wenig von dem Essen der anderen Kinder probieren könnte. Mias Mutter hat aber gerade keine Zeit, mit ihrer Tochter das Thema zu besprechen. Sie muss sich noch um Linus kümmern. Der jammert, er bekommt einen Backenzahn. Also sagt sie nur:“ Mia, du weißt doch, dass uns das “ andere“ Essen krank macht.“ Mia weiß es, sie versteht es. Aber manchmal versteht sie es auch nicht. Warum essen denn die Leute Milch, Eier und Fleisch, wenn es doch krank macht ? Mit dieser Frage schläft sie ein…

Anhand dieses Beispiels erfährt man, dass es auch für Kinder schwierig werden kann, die gerade zu beste Voraussetzungen für ihre vegane Lebensweise haben. Es gibt genug Unterstützung und Bemühungen von außen und es wird alles besonders schön gemacht, damit kein Gefühl des Verzicht entsteht. Das adjektiv “ vegan“ kann möglicherweise mit negativen Gefühlen belastet werden, obwohl die Eltern alles tun, um gerade dies zu verhindern.

Eine vegane Kinderernährung ist gut geplant kein Problem. Jedenfalls in der Theorie.

Folgende Schwierigkeiten können auftreten:

  1. Das Kind isst nicht alle Lebensmittel, die nötig sind um seinen Bedarf zu decken. Weil sie ihm nicht schmecken, weil sie eklig aussehen oder riechen, weil es sie  nicht verträgt, weil es nicht cool ist….usw.
  2. Es mangelt an veganen Alternativen. Angefangen bei einer guten und sicheren Säuglingsmilch, wenn es mit dem Stillen nicht klappt. Über das Essen in Kindergarten und Schule. Bis hin zu Snacks und Mahlzeiten bei Ausflügen und im Restaurant.
  3. Das Kind gerät in eine Außenseiter Rolle, weil es immer eine „extra Wurst“ bekommt.
  4. Das Kind hat Angst etwas zu verpassen, weil es das, was die Freunde essen, nicht probieren darf.
  5. Das Kind wird gemobbt, weil es “ anders“ is(s)t

 

Für viele Probeleme gibt es Lösungen:

  • Das Essen wird schön angerichtet oder dekoriert.
  • Das Essen wird schön angerichtet oder dekoriert.
  • Im Essen werden gesunde Zutaten versteckt, z.B. in die Tomatensoße kommt püriertes Gemüse, in den Pfannkuchen Teig kommt Mandelmus, usw.
  • Das Kind wird mit einbezogen, darf mithelfen beim Backen und Kochen
  • Dem Kind wird das essen spannend gemacht, indem ge einsam gekeimt oder fermentiert oder gegärtnert wird.
  •  Mit dem Kind wird das Thema altersgerecht aufgearbeitet

Dennoch können sich psychische Probleme ergeben. Das kann auch erst in der Pubertät sein. Vielleicht fängt das Kind gerade deshalb an, Mischköstler zu werden, weil es sich von den Eltern abgrenzen will ( muss).

Ich bin daher für einen Kompromiss: Überwiegend vegan aber Ausnahmen dürfen sein. Dann:

  • Kann das Kind auch mal probieren, was es gern kosten möchte. Ganz ohne schlechtes Gewissen und Angst seine Eltern traurig zu machen.
  • Kann sich das Kind notfalls anpassen um nicht zum Außenseiter oder Mobbing Opfer zu werden.
  • Erlebt das Kind die vegane Lebensweise nicht als Einschränkung
  • Wird die kindliche Neugierde nicht unterdrückt.
  • Machen Verbote die Mischkost nicht gerade zu interessant. Auch als Abgrenzungsstrategie oder zur Provokation.

Im Beispiel von Mia hätte es gereicht, wenn die Eltern ihrer Tochter erlauben würden, dass sie auch die Dinge probieren darf, die sie gern “ schmecken“ möchte.

Ich lehne die vegane Kinderernährung nicht ab. Ich finde die Idee von veganen Einrichtungen, z.B. Kindergärten super. Meiner Meinung nach haben solche Einrichtungan folgende Vorteile:

  • Die Kinder lernen eine pflanzenbasierte Kost als Basis kennen. Sie gewöhnen sich daran.
  • Die häusliche Kost wird durch die pflanzliche Kost prima ergänzt. So dass der Anteil an tierischen  Produkten automatisch sinkt. Was die Gesundheit vieler Kinder positiv beeinflussen könnte.
  • Das Essen ist für alle Religionen geeignet.
  • Das Essen ist für viele Allergiker geeignet.
  • Das Essen ist für kompatibel mit Mischkost. Die Kinder können zuhause ja tierische Lebensmittel verzehren.

Noch ein Wort zu Kindern mit Allergien oder Unverträglichkeiten.  Diese Kinder leiden auch unter Reglemtierungen ihrer Kost.  Aber sie kennen die teilweise heftigen Auswirkungen der Lebensmittel, die sie nicht essen dürfen. Das ist etwas anderes, als wenn ein Kind,  etwas essen könnte aber nicht darf.

Ich denke, dass die ( vegane) Kinderernährung an ALLE kindlichen Bedürfnisse angepasst werden muss und teilweise Kompromisse nötig sind.

 

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