Das Mikrobiom

Der menschliche Körper beherbergt eine große Menge Bakterien. 90 Prozent der Körperzellen machen diese kleinen “ Lebewesen“ aus. Die Ansammlung von Bakterien im menschlichen Körper, mit einem Gesamtgewicht von 1,5 bis 2 kg, wird als ein zusätzliches Organ gesehen und als Mikrobiom bezeichnet. Bakterien kommen überall im Körper vor, z.B. auf der Haut oder Schleimhaut. Aber besonders viele finden sich im Magen Darm Trakt, insbesondere im Dickdarm. Viele der Mikroorganismen sind noch nicht identifiziert, Forscher gehen aber davon aus, dass es weit mehr als 1.000 verschiedene sind, die auf und in uns leben. Ihre Zusammensetzung  unterscheidet sich bei jedem Menschen.

Besonders die Bakterien im Dickdarm sind Gegenstand intensiver Forschung in den letzten 10 Jahren.

Lebensumstände und Ernährung nehmen Einfluss auf die “ Dichte“ und Artenvielfallt des Mikrobioms. So konnten gewisse Gemeinsamkeiten der Bakteriellen Zusammensetzung bei Angehörigen eines Volksstammes oder definierten Personengruppen erkannt werden.

Übrigens entwickelt sich unser Mikrobiom bereits vorgeburtlich. Beim Geburtsvorgang, nimmt das Neugeborene dann Bakterien durch den Kontakt mit der Vaginalschleimhaut auf.  Dannach sind es verschiedene andere Bakterien Quellen aus der Umwelt, insbesondere die Nahrung, die das Mikrobiom prägen. Muttermilch erweist sich in diesem Zusammenhang auch als günstig. Im Alter von 3 bis 5 Jahren ist eine individuell typische Zusammensetzung erreicht, die ein Leben lang zu 60 bis 70 Prozent konstant bleibt. Der Lebensstil ist entscheidend darüber, wie sich das Mikrobiom im Laufe des Lebens verändert. Quellen: Proc. Natl Acad. Sci. USA 2007, 104(34): 13780–13785, Appl. Environ. Microbiol. 1998, 64(10): 3854–3859

Zwischen Darmbakterien und dem Darm gibt es eine enge Symbiose, die Auswirkungen auf den gesamten Körper hat. Dabei ernähren sich die Mirkoorganismen von den unverdauten Nahrungsresten und Verdauungssekreten. Ihre Stoffwechselprodukte, z.B. kurzkettige Fettsäuren, Vitamine und andere Stoffe beeinflussen diverse Körperfunktionen. Dabei unterscheiden sich die Bakteriengruppen voneinander. Jede Art hat unterschiedliche aufgaben und Funktionen. Ist diese Symbiose gestört können Erkrankungen entsehen. An den genauen Mechanismen wird eifrig geforscht.  Umgekehrt wirken sich aber auch Krankheiten und Medikamente auf die Dichte und Zusammensetzung des Mikrobiom aus.

Darmbakterien schützen einerseits vor Krankheiten, z.B. indem sie schädliche Keime unterdücken und aktiv am Immunsystem beteiligt sind. Anderseits bilden sie selbst Toxine und andere “ Reizstoffe“ , welche Erkrankungen auslösen.  Es kommt darauf an, wie der Körper mit seinem Mikrobiom umgeht, die guten Bakterien belässt und die schlechten Bakterien abwehrt. Dies geschieht unter anderem durch die Bildung von Defensinen. Dieser Prozess wird genetisch (NOD2 Gen)  und durch das Mikrobiom selbst, kontroliert. Das Gleichgewicht der guten und schlechten Mikroorganismen kann durch verschiedene weitere Faktoren gestört sein.

Entscheidend für die Entstehung von Krankheiten ist dabei auch die Schleimhautbarriere. Hier muss eine gewisse Balance gegeben sein. Es sollen einige Substanzen zur Entwicklung des Immunsystems durchgelassen werden. Aber eben nicht so viele, dass es zu Entzündungen kommt.

Die Forschungsergebnisse sind noch recht uneinheitlich. Außerdem ist es noch schwierig eine “ gesunde Darmflora“ bezüglich der Dichte und Zusammenhang zu definieren. Dennoch sind sich die Forscher einig, dass das Mikrobiom wesentlich an der Gesundheit des Menschen beteiligt ist.

Diverse Erkrankungen werden mit bestimmten Bakterienarten in Verbindung gebracht:

  • Adipositas: folgenden Bakterien werden für eine Gewichtszunahme verantwortlich gemacht: Bacteroides und bestimmte Bifidobakterien, sowie weitere. * Sie können teilweise Balastoffe für den Menschen aufspalten und energetisch nutzbar machen.  *Future Microbiol. 2012 Jan;7(1):91-109
  • Eine neue E.-coli- Gruppe erhöht die Bereitschaft des Körpers für Entzündungen.  Sie gelangen durch die Schleimhaut aus dem Darm ins Blut und veranlassen dort die Bildung von Entzündungsfaktoren. *Gastroenterology 2004; 127: 412-421
  • Auch für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen scheint das Mikrobiom mitverantwortlich zu sein * Rheumatology (Oxford). 2010 Jul;49(7):1311-6, Immunity. 2010 Jun 25;32(6):815-27,J Allergy Clin Immunol. 2011 May;127(5):1097-107
  • Selbst Krebserkrankungen scheinen im Zusammenhang mit dem Mikrobiom zu stehen. *Cell Mol Immunol. 2011 Mar;8(2):110-20, Mutat Res. 2007 Sep 1;622(1-2):58-6
  • Ein Defekt bei der Bildung von Defensinen durch das entsprechende Gen und damit veränderte Reaktion auf pathogene Keime, spielen bei Morbus drohen eine Rolle
  • Bei Diabetikern vom Typ 1 wurde ein erhöhter Anteil an Bacteroides ovatus im Mikrobiom festgestellt.

Da die Art der Ernährung für die Zusammensetzung der Darmflora mitverantwortlich ist, kommt ihr wahrscheinlich eine bedeutende Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung vieler Krankheiten zu.

Im allgemeinen entspricht ein Darmgesunder Lebenstil den gängigen Empfehlungen für eine gesunde Lebensführung. Wesentliche Aspekte sind Bewegung, Entspannung, Schlaf, Stressabbau und eine ausgewogene Ernährung. Eine weitestgehend pflanzliche Ernährung scheint die Anzahl guter Darmbakterien zu erhöhen. *Glick-Bauer et Yeh, 2014. Es lassen sich allerdings zwei weitere große Gruppen unterteilen. Die Probiotika liefern selbst gute Mikroorganismen. Diese sind so stabil, dass sie es tatsächlich in den Dickdarm schaffen und sich dort vermehren können. *Donner, 2007. Zu den Probiotoka zählen solche, die durch aktive Bakterien entstehen, Fermentierte Lebensmittel oder Joghurt. Wichtig ist, dass das fertige Lebensmittel tatsächlich noch lebende Bakterien enthält und regelmäßig über einige Tage verzehrt wird. Die Präbiotika liefern “ das Futter“ für gute Darmbakterien. Leider sind sie nicht für Jedermann auf Anhieb verträglich. Wenn ihr Anteil in der Ernährung stufenweise erhöht wird, steigert das die Verträglichkeit. Zu den Präbiotika zählen Oligofruktose und Inulin  haltige Lebensmittel,  z.B. Artischocken, Chicorée, Zwiebeln, Lauch, Spargel,  Knoblauch. Wer den Artikel über Weizenunverträglichkeit gelesen hat, erinnert sich nun bestimmt an die Fodmaps. Denn genau diese aufgezählten Lebensmittel lösen bei einigen Personen  Unverträglichkeiten durch ihren Gehalt an Fodmaps hervor. *https://kleckerkleinundliebelein.wordpress.com/2018/12/10/weizen-unvertraeglichkeit/ .

Allerdings kann sich schon eine allgemein Ballaststoffreiche Ernährung positiv auf das Mikrobiom auswirken. Die verschiedensten Ballaststoffe werden mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Gerteide, Nüsse und Saaten zugeführt. Diese Formder Ernährung entspricht der, die ich im Artikel “ Wie sieht eine gesunde Ernährung aus. “ vorstelle. https://kleckerkleinundliebelein.wordpress.com/2018/12/08/wie-sieht-eine-gesunde-ernaehrung-aus/

Synbiotika vereinen  im übrigen Prä – und Probiotoka.

Pro – und Synbiotika werden auch als Arzneimittel eingesetzt. Dies sollte bestenfalls ärtzlich besprochen werden. Denn der Einsatz dieser Präparate kann zu “ fehlerhaften “ Besiedlungen führen, z.B. zu einer bakteriellen Ansammlung im Dünndarm, wo sie eigentlich nicht hingehört.

Im Zusammenhang mit den “ Inhalten “ einer gesunden Ernährung sind auch weiterer Empfehlungen zu nennen. Gerade die ballaststoffreiche Kost regt zum wichtigen Kauen und Einspeicheln der Nahrung an. Außerdem erfordern insbesondere Ballaststoffe eine ausreichend hohe Zufuhr an Flüssigkeit, z.B. ungesüßte Getränke wie Kräutertee und Wasser. Auch sind längere Pausen zwischen den Mahlzeiten günstig. Intervall Fasten kann dem Mikrobiom ebenfalls gut tun.

In Studien konnte auch nachgewiesen werden, dass Ernährungsunabhängige Faktoren einen Einfluß auf das Mikrobiom haben. Beispielsweise gelangten Forscher der Uni Illinois zu dem Schluß,  dass körperliches Training die Produktion der wichtigen Fettsäuren im Darm durch die Darmbakterien steigern kann. Auch die Zusammensetzung des Mikrobioms verändert sich durch Sport positiv.

Die Einnahme von Heilerde und Flohsamenschalen kann einen sanften Reingungseffekt auf den Darm haben. Heilerde bindet dabei schädliche Substanzen und Flohsamenschalen haben einen kleinen “ Putzeffekt“. Deren Anwendung erfolgt am besten in Absprache mit dem Hausarzt oder Naturheilkundler.

Flohsamenschalen können natürlich auch ohne Absprache als Zutat für Speisen eingesetzt werden. Gerade ihre quellenden und leicht bindenden Eigenschaften werden gern genutzt.

Zum Schluss möchte ich noch einige Bakterien “ vorstellen“, um zu zeigen, was diese Kleinstlebewesen alles für uns tun:

  • LACTOBACILLUS PLANTARUM , Dieses Bakterium ist bereits relativ gut untersucht. Es kommt in vergorenen und fermentierten ( überwiegend pflanzlichen) Lebensmitteln vor und ist ein typisches Darmbakterium. Im Labor zeigte sich seine Fähigkeit, Proteine zu spalten, was es ggf auch im Darm macht. Mit der Bildung von Plantaricinen kann es unerwünschte Bakterien „. Außerdem besitzt es weitere Mechanismen zur Krankheitsabwehr und wirkt damit sogar antioxidativ. Es produziert wichtige Milchsäure. Dabei ist es selbst säurestabil und passiert somit auch unbeschadet den Magen. Interessant ist seine Fähigkeit, Sojamehl zu vergären. Damit senkt es die Immunreaktion auf Soja. Es wird häufig als Probiotika lebensmitteln zugesetzt oder in  Arzneimitteln eingesetzt. Temperaturen ab 45 Grad verträgt es nicht.
  • LACTOBACILLUS REUTERI: Dieses Bakterium befindet sich in vorallem in fermentierten Milchprodukten und natürlicherweise in der Muttermilch. Es ist ein typisches Darmbakterium. dabei hat jede Wirtspezies ihre eigene L.reuteri Art, so dass man spezielle , artspezifische Funktionen vermuten kann. Es bildet den Stoff Reuterin, der einige unerwünschte Mikroorganismen, so auch Pilze, Wachstum hindert. Auch dieses Bakterium ist gut erforscht und wird gern als Probiotika eingesetzt. Es ist säurestabil
  • LACTOBACILLUS RHAMNOSUS: Dieses Bakterium wehrt nicht nur im Darm schädliche Mikroorganismen ab, sondern z.B. auch im Urogenitaltrakt und in den Atemwegen. Darüber hinaus hilft es bei der Verdauung von Nährstoffen. Es ist ebenso säurestabil und obwohl es nur  zeitweise ein Bewohner unseres Darmes ist, wird es gern als Probiotika eingesetzt. Typischerweise ist es an Fermentationsprozessen vieler Lebensmittel beteiligt.

In dem Kontext soll auch erwähnt werden, dass Muttermilch eine Vielzahl an guten Bakterien enthält, die wesentlich an der Gesundheitserhaltung des Kinder beteiligt sind.

Mittlerweile gibt es einige probiotische Arzneimittel mit Anwendungsbereichen  außerhalb des Darmes. Sie sollen zum Beispiel, vorEntzündungen im Urogenitaltrakt oder vor Brustentzündung stillende Mütter, schützen.

 

Die Forschung im Bereich des Mikrobioms sind in vollem Gange. Dieser Artikel bezieht sich auf einen kleinen Ausschnitt aktueller Forschungsergebnisse. Wobei sich bereits herauskristallisiert hat, wie wichtig ein gesunder Lebensstil und eine gesunde Ernährung  für unsere Gesundheit ist.

 

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