Von Blicken und Vorurteilen

Ich spüre sie, diese  Blicke hinter mir… die Gedanken der schauenden Menschen. Es schmerzt, doch verübeln kann ich es Niemanden. Mir selbst sind schon Gedanken gekommen, beim Anblick einer außergewöhnlichen Erscheinung. Ob nun tätowiert,  verkleidet, muskulös, dick oder dünn, usw….Manchmal ist ein “ Auffallen “ sogar erwünscht. Doch das ist sicherlich in vielen Fällen anders. Mir selbst kam bereits der Wunsch, meine abgemagerte Figur unter weiter Kleidung zu verstecken.  Ich meine, die Gedanken der schauenden Menschen nahezu lesen zu können: Magersucht!!! Die arme Familie!!! Natürlich weiß ich es selbst besser und in psychologischer Behandlung bin ich schließlich eh, Asperger mäßig! Trotzdem tut es weh, dass man derart abgestempelt wird. Der erste abwertende Gedanke der sich ins Gehirn schleicht, mag spontaner  Natur sein. Doch dem sollte die Frage, nach den Hintergründen, folgen. Sicherlich trifft Übergewichtige am häufigsten. Sie stellen eine größere Gruppe dar und ihr Problem wird vorschnell mit Fresserei, zumindest mit falscher Ernährung in Zusammenhang gebracht. Auch wenn Unter/Übergewicht definitiv aus einer Störung in der Energiebilanz resultiert, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass dies eigenverschuldet ist oder sich Betroffene keine Hilfe suchen.

Gründe für eine gestörte Kalorienbilanz ( in beide Richtungen ) gibt es viele. Man kann sie in äußere, körperliche und seelische Ursachen unterteilen. Meist sind alle drei Bereiche betroffen. Bei Adipositas spielen Nahrungsangebot ( Äußerlich), stoffwechselstörung (körperlich) und emotionales Essen ( seelisch) ineinander. Für die meisten Menschen ist das gut nachvollziehbar. Bei Untergewicht gilt das auch. Ich bin durch das Polytrauma und die Schmerzmittel, so wie das Herauslösen aus meinen Asperger Routinen abgemagert. Warum sich der Prozess nicht endlich umkehrt, ist spekulativ.  Ich nehme tendentiell eher ab, als zu. Obwohl ich mich in ärztlicher Behandlung befinde, könnte der Zustand noch nicht verbessert werden.

Ohne eigene Aktivität kann sich nur schwerlich etwas verbessern. Das ist vielen Betroffenen klar und sie beschäftigen sich ausgiebig mit “ ihrer Materie“, greifen nach jedem Strohhalm.  Daraus kann ( scheinbar) eine weitere Störung entstehen. Gerade in Bereichen wie Ernährung und Fitness entstehen immer mehr Störungen. Vom Zwang „nur gesund essen zu müssen“ ( orthorexie) bis zur Körperbildstörung des Bodybuilders . Übergänge sind fließend. Häufig wird aber auch vorschnell etwas gesehen, was garnicht da ist. Was einen ganz anderen Hintergrund hat.

Auch auf den Satz :“ Hol dir Hilfe „können Betroffene verzichten. Der ist oft nicht einmal böse gemeint. Nur ist medizinische Nachsorge meist schlecht. Dies betrifft nahezu alle Bereiche.  Zuviele Patienten und zu wenig Therapeuten. Außerdem ist das ein riesiger Kostenfaktor.

Habe ich früher gedacht, Patienten erhalten selbstverständlich ihre notwendige Therapie. Weiß ich nun, dass es nicht so ist. Für keins meiner körperlichen Unfallfolgen habe ich ausreichend therapeutisch Hilfe erhalten. Mein Mann massiert jeden Abend den defekten Arm und ich übe rund um die Uhr, damit die Motorik besser wird.

Mein Unfallverursacher hat seinen Schaden am Auto wohl längst gerichtet.  Und ich stehe immer noch „defekt “ da. Gerade beantrage ich eine Mutter Kind Kur. Da ich mich vor Ablauf der 4 Jahresfrist befinde, wird sie wohl nicht genehmigt. Wo ist da Gerechtigkeit.

Ja, noch halte ich eine Zeit lang durch. Bin stark für meine Familie.  Rette mich mit “ Gönnungen“ und Auszeiten durch den Tag. Doch mein Körper wird das irgendwann nicht mehr aushalten. Ich brauche diese Kur ganz dringend.

Meine Asperger Natur hat diesbezüglich Vor – und Nachteile. Ich gehe trotz Autismus auf Menschen zu und bin wirklich erstaunt,  dass ich viel Mitgefühl und  Unterstützung von fremden Personen erfahren habe. Oder auch von Solchen, von denen ich es nicht erwartet hätte. Nachdem ich die Chance hatte, von meiner Geschichte zu berichten.

 

Alltags- Glück

 

Was sind „das kleine Glück“ oder „die Alltagsgreude“? Wofür lohnt es sich aufzustehen und sich den ganzen Pflichten hinzugeben?
Meiner Meinung nach ist das ein ganz zentraler Punkt bezüglich der „ Work-Life-Balsnce“ und entscheidend für die eigene Selbstzufriedenheit. Achtsamkeit und „ intuitives Essen“ haben sicherlich auch damit zu tun.
Wenn der Tag keine schönen Momente mehr bereithält oder diese nicht ausreichen, um den Alltagsstress zu kompensieren, dann drohen seelische / körperliche Störungen. Meiner Meinung nach, gehört Adipositas dazu. Denn über das emotionale Essen wird oft versucht zu kompensieren. Leckereien sind nämlich überall und mühelos verfügbar. Ich will nichts pauschalisieren. Doch es lohnt, sich Gedanken zum Thema zu machen.
Doch was ist Glück überhaupt ?
Zunächst wurde mit < GLÜCK > ein günstiger Ausgang eines Ereignisses bezeichnet. Also etwas  Äußerliches, wie z.B ein Gewinn.
=> Glück haben
Ein hohes Maß an positiven Empfindungen wird    als “ glücklich sein “ bezeichnet. Auslöser dafür, nennt man dann auch  „ Glück“.
Was zum Glücksgefühl führt ist sehr unterschiedlicher Natur.
Zu den biologischen Grundlagen gehören Hormone und Neurotransmitter, Z.B. Oxitocin, Dopamin und Serotonin. Doch Gefühle entstehen in einem vielfältigen Wirkungsgefüge und sind mehr als nur „ Chemie „. Daher funktionieren die isolierte Gabe von „ Glücks Substanzen“ oder der Eingriff in den Hormonhaushalt durch Medikamente weniger gut und auf jeden Fall kaum nachhaltig.
Allerdings gibt es bestätigte Methoden, welche die Ausschüttung der entsprechenden „ Glücks Chemikalien“ ganz natürlich triggern. Sex und Kuschelei aber auch Sport gehören zu diesen Strategien. Auf diesem Weg kann man für sich selbst schon ein gute Basis schaffen. Daher gehört der „ Frühsport“ zu den beliebtesten Morgenroutinen.
Eine glückliche Basis hat sich derjenige Mendch, welcher ein Bedürfniserfülltes Leben führt. Dazu gehören die Gefühle der Sättigung und des Schutzes. Solche grundlegenden Rahmenbedigungen wirken sich wahrscheinlich auch günstig auf die Gesundheit bzw. da Überleben aus. Instinktiv sorgen wir dafür, dass unsere Nachwuchs satt und geborgen aufwächst. Vielleicht unter Selbstaufgabe unserer eigenen „ Glücksgrundlage“???
Wir haben eine klare Eigenverantwortung für unser „ Glückserleben“. Denn wenn wir unglücklich werden, steigt die Gefahr gesundheitlicher Störungen. Letztlich können wir dann, an diesem Punkt angelangt, selbst kaum noch für das Glück der Anderen sorgen.
Daher ist es wichtig, ein wenig egoistisch zu sein und die eigene “ Glücks Basis „ zu pflegen .
In diesem Zusammenhang kommt oft das emotionale Essen ins Spiel. Oft scheinen Leckereien die einzige Möglichkeit sich ein wenig „Glücksgefühl“ ins stressige Leben zu holen. Dagegen ist zunächst auch nichts ,einzuwenden. So würde ich sogar feste Rituale wie Z.B die Tasse Kaffee oder Tee am Nachmittag, oÄ. begrüßen. Allerdings sollte dabei der Genuß im Vordergrund stehen. Achtlos konsumiert bringen es die leckersten Köstlichkeiten nicht zu einem Glücksgefühl im Gehirn. Gerade „ nebenher“ gegessene Snacks summieren sich, weil versucht wird über die Menge etwas Glück zu erreichen. Aber Achtsamkeit ist der Trick! Qualität vor Quantität.
 Nun wird klar, warum Stress und Unachtsamkeit über das kompensatorische Essen wichtige Faktoren bei der Entstehung von ungünstigen Ernährungsverhalten sind.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, kann es sinnvoll sein, sich mit dem Thema „ intuitives Essen” zu beschäftigen. Dabei geht es um die Unterscheidung von körperlichen und emotionalen Hungergefühlen und um genussvolles Essen. Letztlich erreichen viele „ intuitive Esser „ eine gute „ Glücksbasis“ . Sie können ihre Bedürfnisse gut einschätzen und sich genussvolle Glücksmomente verschaffen.
Neben dem „ bewussten Essen” trägt die individuell richtige Auswahl an Lebensmittel natürlich wesentlich zum Wohlgefühl und somit zur * Glücksbasis* bei.
Menschen mit einem guten, für sie passenden Lebenstil sind also eher positiv gestimmt.
Die Fähigkeit auch in kleinen Dingen des Alltags, dass Positive zu sehen, hilft durch stressige Momente. Und es ist gut, dies bewusst zuzulassen. Die ersten Sonnenstrahlen nach dem Winter, ein kinderlachen oder ein schnurrendes Katzenbaby, usw…
Oft verlieren „ Glücksbringer „ an Wirkung, weil sie selbstverständlich geworden sind .
Das sind beispielsweise auch Beziehungen.
Daher tut es gut, sich solche “ Srlbstverständlichkeiten” mit Dankbarkeit ins Gedächtnis zu rufen.
Erinnerungen an besondere Glücksmomente können helfen besser durch schwere Zeiten zu kommen. Denn jedem kann ein übler Schicksalsschlag drohen. Auch schwere Zeiten kommen im Leben vor.
Ein Glücks Tagebuch bietet sich als eine Möglichkeit an, wunderbare Erinnerungen festzuhalten.
Etwas besonders ist, wenn man in scheinbar negativen Situationen, dennoch etwas positives erkennen kann. Inwieweit man dies noch als “ Glück“ bezeichnen kann, hängt wohl vom genauen Fall ab.
Dennoch bedeutet jedes Ende unweigerlich den Anfang von etwas Neuem.
Glück ist also doch etwas, was man selbst in der Hand hat. Zumindest das „ Glücklich sein “ liegt im eigenen Tun.
Deutlich wird es dann, wenn man Herausforderungen sucht und erfolgreich absolviert. Selbst der Stolz über den geschafften ( stressigen) Tag oder die intensive Trsiningseinheit, macht glücklich.
Glück lauert überall, wir müssen nur zugreifen !
Was hat der Unfall akut verändert ?
Sehr ungewohnt war es für mich, plötzlich hilflos zu sein. Zunächst hatte ich Bettruhe und ich muss wohl nicht näher beschreiben, was das genau bedeutet. Man verliert von jetzt auf gleich seine Privatsphäre. Obwohl ich als Krankenschwester weiß, dass es zum Alltag des Pflegepersonals dazugehört, hab ich mich geniert. Ja, ich habe mich für jedes Klingeln und Bitten geschämt. Zumal das Pflegeteam extrem gestresst war…Personal Notstand. Die erste Zeit auf der intensiv Station war hingegen angenehm. Denn dort war eine Pflegekraft für zwei Patienten zuständig und sofort da, wenn man Hilfe benötigte. Ich war froh darüber, den ersten Schock des Unfalls zumindest unter solcher Betreuung überwinden zu können.
Auch die Ärztin auf intensiv Station war sehr nett und geduldig. Das tat wirklich gut.
Die Hilflosigkeit war das Schlimmste. Ein ehrenamtlicher Helfer besorgte mir einen Rollstuhl. Und damit bekam ich ein ganzes Stück Eigenständigkeit zurück.
Allerdings war ich zunächst auf viel Hilfe angewiesen. Im Krankenhaus würde ich nach 11 Tagen entlassen, fühlte mich recht fit. Was ich aber eigentlich nicht war. Denn daheim nur auf der Couch zu liegen und bedienen zu lassen, ist unmöglich. Jetzt wo man selbst kochen und putzen könnte, will man das auch.
Ich habe innerlich geschrien vor Wut, wenn mir etwas nicht gelang. Dabei hat mich nicht nur die Menge an Verletzungen eingeschränkt. Ich fühlte mich schwer krank. Für die Ärzte eine völlig normale Reaktion auf ein Polytrauma.
Traumatisiert waren auch die Kinder. Für sie war die Intensiv Betreuung sehr unschön, da sie mich nicht besuchen konnten. Danach klappte es mit dem Besuch, aber nicht mit dem Kuscheln, denn überall an meinem Körper waren Prellungen und Verletzungen. Gerade für den Jüngsten war das richtig ungewohnt.
Wenn Mama ausfällt, hat es Auswirkungen auf die ganze Familie. Vor allem weil Ferien waren, der Papa aber keinen Urlaub hatte….
besonders traurig: ich konnte mit Liebeleien nicht Rennrad fahren und das schon ganze 2,5 Monate jetzt. Sie ist völlig raus und Ihre Wettkampf Saison vorzeitig beendet.
Aufgrund meiner Asperger Problematik hatten sich Jugendwart und Trainer nicht um sie gekümmert.  Mit beiden Personen habe ich, aufgrund ihrer ironischen und wenig authentischen Art,große Kommunikations Schwierigkeiten.  Leider mit negativen Folgen für meine Tochter.  Derartiges belastet mich sehr. Meine Kinder können nichts für das Syndrom ihrer Mutter und ich kann bestimmte “ Kommunikations Typen“ auch mit größter Mühe nicht richtig verstehen. Beide Trainer wollen, in meinen Augen, super cool oder witzig erscheinen oder extrem engagiert. Dabei geht ihre Echtheit verloren. So sehr ich mich bemühe, ich komme nicht auf einen Nenner mit ihnen.
Jedenfalls war es mir, aufgrund der gesundheitliche Situation,  nicht möglich meinen Aufgaben als Mutter gerecht zu werden. Darunter habe wir ( die Kinder und ich) sehr gelitten.
Obwohl es ein täglicher Kampf für mich war, habe ich mich bemüht, meine Lage möglichst schnell zu verbessern.  Schon im Krankenhaus hatte ich mir Nahrungsergänzungsmittel für die Knochen – und Gewebsbsneubildung bestellt. Dazu gehörten: Calzium, Magnesium, Zink, Kupfer, Vitamine D, A, K2 , B1 und C . Meine Ernährung war los Carb und in den ersten 4 Wochen zuckerfrei. Leider lockte dann das süße Gift zunehmend. Speziell die keto Kost sollte die lädierten Nerven heilen. Dazu eisernes Training . Zuerst konnte ich immer öfter auf den Rollstuhl verzichten. Auch, wenn ich mich schwach fühlte, habe ich mich gezwungen zu Gehen. Dann hab ich den Einsatz der Gehilfen reduziert.  Vor allem um die rechte Seite nicht ständig einseitig zu belasten.
Mit mehr Mobilität konnte ich dann endlich wieder etwas mit den Kids unternehmen. Kleckerkkein färhrt doch begeistert mit seinem neuen 16 Zoll Rad. Nun konnte ich ihn wieder begleiten. Allerdings waren diese Ausflüge anstrengend. Meine Kräfte waren noch nicht wieder da.
Ich machte und mache ein tägliches workout. Zu Beginn waren es Übungen im Liegen , dann kamen welche im Sitzen und später im Stehen dazu. Erst 1 Mio mini Bewegungen mit Bodyweight. Zum Schluss mit 1 kg Hanteln. Beine wie im Balett, hoch und runter, halten und anspannen… Dann habe ich mit zwift Academy 2019 begonnen. Etwa 8 Wochen nach dem Unfall kam meine Power zurück. Zumindest fühle ich mich jetzt nicht mehr krank.
Das Training sorgte für einen Muskelerhalt. Mein Körperfettanteil reduzierte sich aber weiter.
Daher entschied ich mich nicht mehr so streng auf den Zucker in der Kost zu achten.
Anfangs war ich sehr bemüht besonders die einfachen Kohlenhydrate aus der Ernährung zu streichen. Aber wenn daheim ( anders als in der Klinik) die Verlockungen jederzeit verfügbar sind, greift man leichter zu.
Da ich tatsächlich stärkere Nerven schmerzen nach dem Konsum von Carbs verspüre, suchte ich nachAlternativen. Die gibt es genug. Allerdings haben sie schon nach wenigen Wochen meine DARMFLORA negstiv verändert.
Derzeit plagen mich Blähungen und Pickel. Ohne Zucker und Stärke war beides weg .
Aktuell versuche ich moderate Kohlrnhydrate und nehme Symbiotika.
Also, eine Kombination aus guten Darmbakterien und günstigen Balasttstoffen.
Meine Empfindsamkeit legte sich mit zunehmender Körperkraft. Trotzdem bin ich immer noch viel dünnhäutiger.
Außerdem macht sich der Asperger Autismus breiter als sonst in meinem Leben.
Sport und Ernährung sind jedenfalls wichtig für die Heilung und das Wohlbefinden.
Was genau richtig ist, muss jeder ( mal wieder) am eigenen Leib austesten.
Meiner Family und mir ist bewusst geworden, wie schnell man aus dem Leben gerissen werden kann. Dadurch veränderten sich die Prioritäten mehr oder weniger bei allen Familienmitgliedern. Ganz besonders jedoch bei mir. Ohne den Blick für die Zukunft zu verlieren, versuche ich jeden Tag zu geniessen. Das bedeutet nicht,  die “ Sau raus zulassen“ weil jeder Tag der Letzte sein könnte.  Es ist eine bessere “ Work- Life- Balance“ mit viel Achtsamkeit und Abschied von belastenden Faktoren. Das können Personen aber auch Verpflichtungen oder Gegenstände sein. Weniger ist tatsächlich oft mehr. Ich tendiere eher zum Minimalismus. Aber nicht radikal. Ich selbst stelle mir immer die Frage:“ wie dringend brauche ich dies oder jenes…“. Geld und Besitz sind angenehm aber machen nicht glücklich. Glück kann man nicht kaufen.

Wie hat die Asperger Diagnose mein Leben verändert?

Es macht schon einen Unterschied, wenn man einen Grund für ein bestimmtes Verhalten kennt. Es nimmt einem die Schuld bzw das Gefühl ein Versager oder Überempfindlich sein. Viele „Asperger Schwächen“ ähneln Empfindsamkeitsstörungen, wie auch “ nicht Autisten “ sie erleben. Ich mag zum Beispiel keine Ventilatoren oder bestimmte Fahrgeräusche beim Auto.  Letztlich liefert eine Diagnose dann eine Erklärung für das Unwohlsein in bestimmten  Situationen. Ob eine Therapie nötig ist oder die einfache Vermeidung des Auslöser reicht, muss individuell entschieden werden.

Ob Asperger oder nicht: Das Erkennen eigener Schwächen ist immer der erste Schritt damit richtig umgehen zu können.

Die Asperger Diagnose ist kein Freibrief für ein unangemessenes Verhalten. Autisten können (und tun dies meist auch bereits ) an sich arbeiten. Wie bei jedem anderen Mensch auch, kann  es hilfreich sein, durch das Umfeld darin unterstützt zu werden. Eine handfeste Diagnose kann dazu beitragen geeignete und ggf fachliche Unterstützung zu erhalten. Allerdings besteht die Gefahr, durch eine Diagnose “ abgestempelt “ zu werden. Meist resultierend aus Unwissenheit.  Daher möchte ich über das Asperger Syndrom aufklären ( stellvertretend für viele psychische Störungen). Denn auch der normalste Mensch besitzt Stärken und Schwächen,  das mach seine Persönlichkeit aus.

Tolerierbar ist es solange, wie es eben den Betroffenen oder andere Menschen nicht gravierend stört bzw negativ beeinflusst.

Die meisten Asperger verfügen über exzellente Fähigkeiten im Bereich Analytik unsd Selbstreflexion. Darüberhinaus sind sie oftmals realitätsorienriert und wahrheitsliebend. Ein asperger Autist steht offen zu seiner Meinung, auch wenn es unangenehm ist. Gesellschaftliche Folgen nimmt er billigend in Kauf. Kann aber im Nachgang darunter leiden. Vor allem, wenn er die tatsächliche Konsequenz erlebt. Denn das nicht analytisch Vorhersagbare, das Emotionale, ist ihm im Vorfeld nicht präsent. Aussagen und Verhalten von Aspies im gesellschaftlichen Miteinander können daher asozial erscheinen. Auch wenn Asperger Autisten gern für sich sind,  ist es ihnen oft wichtig nicht nur in Gesellschaft zurecht zu kommen, sondern gemocht zu werden. Da Aspies häufig Probleme in der Kontaktaufnahme und in der Pflege von Freundschaften haben ( Ihnen entgeht der emotionale Bereich)  vermutet man meist garnicht,  dass ein gewisses Interesse an sozialen Interaktionen bei diesem Autisten Typ bestehen kann.

Sowohl erwähnte Stärken ( Analytik und Selbstreflexion), wie auch der Wunsch nach Integration führen ( bevorzugt bei Frauen) zu einer ausgeprägten “ Eigentherapie“. Aspies haben ein erhöhtes Potential an ihren Schwächen zu arbeiten. Daher fallen “ erwachsene Aspies“ oft zunächst Niemandem mehr auf. Als Asperger Autismus wird nicht erworben. Das Syndrom besteht von Beginn ihres Lebens an. Selbst wenn die typischen Auffälligkeiten im Kindesalter offensichtlicher sind, muss nicht zwangsläufig eine frühe Diagnose erfolgen. Asperger Autismus ist sehr komplex und wird leicht übersehen oder als andere Erkrankung diagnostiziert. Typischerweise spüren die betroffenen Menschen ihr “ Anderssein“. Wie sehr sie darunter leiden hängt stark von autistischer Ausprägung,  Persönlichkeit und Umfeld ab.

Ein beruflich und privat allein auf sich gestellter Aspie kann so durchaus ein Störungsfreies Leben führen. Allerdings besteht auch bei ihm noch das Problem der außergewöhnlichen Reizwahrnehmung und Verbreitung.

Kommunikationsstörungen und / oder Reizüberflutung kann ein aggressives Verhalten bei Autisten provozieren. Ursachen, Intensität und Ausprägung sind individuell.  Eben so kann ein kompletter Rückzug ( mit oder ohne Sprachverlust) eine mögliche Reaktion sein. Beides sind sehr auffällige Verhaltensweisen, die sich mit einem guten Miteinander nicht vereinbaren lassen.

Nun muss man noch wissen, dass dem Asperger Autist häufig die Kompetenz fehlt, Mimik zu deuten und Emotionen beim Gegenüber richtug zu erfassen.  Sprache “ zu interpretieren “ gelingt ihm nur mit gelernten Grundsätzen und nicht besonders gut. Blickkontakt im Gespräch fällt dem Aspie schwer. Kommunikative Probleme sind quasi vorprogrammiert.  Insbesondere bei jungen Autisten, die noch nicht ausreichend Kompensationsstrategien erlernen konnten.

Ich selbst habe mich bei Treffen, Elternabenden, Einladungen, ist. immer schon unwohl gefühlt und diese lieber gemieden. Das allein ist schon seltsam. Wenn man sich dann bei“ Pflichtveranstaltungen“ nicht recht zu „benehmen “ weiß, fällt man komplett auf. Mit nicht authentischen Personen ( viele übertünchen ein eigenes psychisches Problem oder wollen einfach anders wirken, als sie sind) habe ich ganz besonders starke Probleme.  Mit den Jahren verschob und veränderte es sich zwar immer mal etwas, allerdings kam ich nur sehr langsam gegen das Problem an. Vor allem, weil ich nicht begreifen kann, dass manche Menschen unehrlich zu sich und anderen sind. Meine Diagnose löst den Gedankenknoten und erleichtert es mir, an meiner Schwäche zu arbeiten.

Auch innerhalb der Familie hat die Diagnose geholfen, Probleme im emotionalen Bereich besser zu verstehen und zu vermeiden.

Beim Autisten mögen Stärken und Schwächen extremer/polarisierend sein. Das macht sie im Vergleich zum “ Nicht Autisten “ weder besser noch schlechter.

Ich habe mich entschlossen, offen mit der Diagnose umzugehen.  Verbunden mit der Hoffnung,  dass sich problematische Situationen aus der Vergangenheit lösen. Nicht nur weil es eine Erklärung auf meiner Seite gibt. Ich möchte die Menschen ermutigen sich selbst zu reflektieren und dabei ehrlich zu sein.

Die Erkenntniss

Mein Leben zirkulierte in immer enger werdenden Kreisen, wie die Spirale eines Tornado.  Je enger der Kreis, desto eingeschränkter lebte ich. Dabei war ich es selbst, die allen Schnickschnack aus dem Alltag strich.  Bis der so asketisch war, dass ich ausbrechen musste. Auch der Familie zu liebe. Denn Spaß und Gönnung kamen als erstes auf die Liste der unnötigen Dinge.

Anstelle dessen versüßte ich mir das Leben mit Leckereien. Je größer mein Appetit, desto unerfüllter mein Leben.

Dieser Prozess ist Teil meines Asperger Syndrom. Ich muss lernen zu leben! Jeden Tag mit allen Sinnen zu genießen!

Der Unfall

Vom letzten gedanklichen Ballast ( Asperger Diagnose) befreit, wollte auf dem Rennrad die Sonne genießen. Natürlich habe ich gezögert. Wie immer, wenn ich mit den Kids allein bin und sie dann zurück lassen muss. Mein Sohn war mit Papa Begleitung bei einem Bundesliga Radrennen.  Ja, ich habe an dem Morgen mehr Bedenken gehabt. Da war ein unbestimmtes und seltsames Gefühl bei allen. Doch was sollte passieren? Ich hielt mich auf Radwegen und Feldwegen auf, mied Straßen. und es war bisher nie gefährlich gewesen. zudem traf ich eine Bekannte und wir fuhren min 90 Minuten zusammen. Ich fühlte mich danach sicher und fuhr noch etwas länger als sie. Gewohnte Runde und wenig los. Doch plötzlich tauchte vor mir ein Auto auf. Ich hätte mich schon in Luft auflösen müssen, um nicht von ihm erwischt zu werden. Ich spürte, wie das Auto meinen linken Arm und eigentlich meine ganze linke Seite traf. Allerhöchstens für wenige Sekunden Bruchteile bewusstlos, fand ich mich schnell komplett im Feld wieder .Verstand die Welt nicht mehr. wie konnte das passieren? Ich war so weit möglich rechts des Feldweges gefahren! Warum fährt mich ein Auto einfach so an ? Ich spürte, dass ich schwer verletzt war und meine Kinder allein zu Hause lassen musste. Doch ich konnte nichts anderes tun, als da zu liegen. Mitten in Brennessel. Dankbar für jede Hilfe.  Vom Erstversorgee über die beiden Polizisten bis hin zum Notarzt. Ich konnte nur liegen und geschehen lassen. Im Schockraum, der Trauma Spirale und der intensiv Station. Und obwohl ich nichts tun konnte,  spielte ich die Hauptrolle.

Rein medizinisch gesehen, bin ich glimpflich davon gekommen. Schon bald erfolgte die Verlegung  ich auf Normalstation. Der Beckenbruch sollte selbst heilen, der Trümmerbruch am Unterarm würde 3 Tage später operiert. Nach 11 Tagen Klinik wurde ich entlassen. Mit Gehilfen und Rollstuhl.

Oh, dass hätte schlimmer ausgehen können ….Ja, das stimmt. Doch für mich fühlte es sich an, wie die pure Hölle! Nichts war so wie früher.

Jeden Morgen wachte ich auf und dachte, jetzt muss doch gut sein. Aber Woche für Woche verstrichen und ich fühlte  mich weiter schlapp und krank. Obwohl  Wunden heilten und ich dank Training fitter wurde,  ging es mir erst in der 7 Woche nach dem Unfall wieder besser. Ich nahm auch nicht weiter ab und mein Leben stabilisierte sich. Meine Psyche nicht.

Nein,  es war nicht das Unfalltrauma an sich. In mir reifte die Erkenntnis, dass nichts mehr so sein würde wie vorher …

Asperger Diagnose und schwerer Unfall

Bereits mit der Asperger Diagnose war mein bisheriges Leben aus den Fugen geraten. Eine Woche lang drehten sich meine Gedanken nur um dieses Thema. Es ging darum mich “ wieder zu finden „. Außerdem erschien mein gesamtes, altes Leben in einem anderen Licht. Einiges wurde erklärbar,Anderes veränderte seine Bedeutung. zum Schluss stand die Frage offen, wie ich mit der Diagnose umgehen möchte.

Als ich mich gefestigt hatte und stark genug fühlte, mich zu “ outen“, passierte es:

Ein schlimmer Unfall rieß mich ( fast gänzlich) aus dem Leben.

Wir sind oft meisterliche Verdänger, wenn es darum geht, dass unser Leben endlich ist. Und selbst wenn wir alles “ richtig “ machen, kann uns ein plötzlicher Vorfall das Leben kosten oder komplett verändern.

Gut zwei Monate nach meinem Unfall kann ich noch nicht sagen, wie stark ich eingeschränkt bleiben werde.  Eines ist sicher, der nächste Wandel erfolgt. Ich habe Erfahrungen gemacht,  die ich positiv nutzen möchte.

Gerade als Asperger Autist bin ich ein Gewohnheitstier.  Wobei die meisten Menschen eine oder mehrere Gewohnheiten ändern wollen und sich schwer tun. Eine große Gruppe derer, sind die Personen mit dem Wunsch mehr als nur ein paar Wohlfühlkilos abzunehmen. Auch Übergewichtige können in Routinen gefangen sein und den Wunsch hegenm endlich ausbrechen und in ein leichteres Leben starten zu wollen.

Letzlich ist Veränderung und das Arbeiten an sich selbst, ein Grundthema dieses Blogs.

Ein krasser Lebensabschnitt kann den “ Stein ins Rollen bringen „. Dennoch bedeutet das nicht automatisch, dass der Weg dann ohne Stolperfallen wäre.  Es kann nie alles glatt gehen, dass ist das Leben.

Manchmal läuft es auch wieder rückwärts….Nun darf man nicht aufgeben. Nach vorn blicken und weitermachen.

Vielleicht kann “ Mein Weg“ inspirieren oder ermutigen. Deshalb berichte ich ab jetzt ausführlich über mein neues Leben als gehandicapter Aspie.

Asperger Autismus

Klimaaktivistin Grata bezeichnet ihr “ Anders sein “ als Superkraft.  Für viele ( uninformierte) Menschen ist diese leichte Form des Autismus eine Behinderung.  Oft haben sie die Hauptfigur aus dem Film“ Rainman“ im Kopf. Aber jeder Autist ist so individuell, wie Menschen im allgemeinen nun mal sind. Jeder hat eigene Charakterzüge und Ausprägung dieser „Genmutation“. Deshalb gibt es  nicht den “ Autismus “ . Man spricht vom autistischen Spektrum.

Allerdings wirken die meisten “ Asperger“ zumindest auf dem zweiten Blick merkwürdig.  Manchmal wenig sozial und empathisch, ohne dies wirklich zu sein.

Hauptursache ist eine andere Reizverarbeitung im Gehirn. Autisten blenden weniger Reize aus, als es “ normale “  Menschen tun. Sie können nicht sofort erkennen, welche Reize Priorität besitzen. Daher muss zunächst eine intensive Situationsanalyse erfolgen. Der logisch denkende Asperger Autist nimmt daher alles  “ Greifbare“ und Strukturierte eher an, als unsichere und unerklärbare Umstände, mit deren Deutung er sich schwer tut. Was gerade in der nonverbalen Kommunikation auffällt.  Viele Betroffene haben im Laufe ihres Lebens gelernt damit umzugehen und Strategien entwickelt, welche es ihnen ermöglichen in die soziale Interaktion zu gehen. Denn nicht alle Autuyren sind sture Einzelgänger.  Wobei sich asperger Autisten gern allein beschäftigen ( meist mit ihren Spezial Interessen),  Ruhe und Ungestörtheit genießen.  Routine und Struktur ( manches mutet wanghaft an) geben Ihnen Halt in der Flut alltäglicher Reize.

Die Liste typischer Stärken und Schwächen von “ Aspies“ ist lang. Letzlich ergibt sich ein Gesamtbild mit guten und schlechten Eigenschaften, so wie bei “ nicht Autisten“ auch. Die oft recht hohe geistige Leidtnungsfähigkeit ermöglicht dem Asperger Autisten ein selbstbestimmtes und meist angepasstes Leben. Daher kann man auch nicht von einer Erkrankung sprechen.

Der überdurchschnittliche IQ ( von leicht bis hochbegabt) gepaart mit Ordnungsliebe,Gewissenhaftigkeit und Loyalität,  machen Asperger Autisten derzeit zu gefragten Arbeitnehmern in speziellen ( IT) Branchen. Die typischerweise rein analytische Empathie erleichtert das Arbeiten in emotional belastenden Berufen ( Arzt/ Krankenschwester, Bestatter,  Krisenhelfer, uA). Es verwundert nicht, dass viele herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst “ Aspies“ waren. Tendenziell verliert der Asperger Autismus an negativen Beigeschmack.  Durch den Andrang bei den Autismus Ambulanzen, kann man beinahe von einer Modediagnose sprechen.

Doch obwohl den Betroffenen sehr früh (mit der Persönlichkeitsbildung) bewusst wird,  dass sie anders sind, kann es mitunter Jahrzehnte dauern, bis eine Diagnose steht. Diese ist nicht mal eben ausgesprochen.  Sie Bedarf umfassende Tests und Gespräche mit Ärzten, die sich auf Autismus spezialisiert haben.

In der Regel bringt eine stark augeprägte Schwäche den ( darunter leidenden) Asperger Autisten zur Abklärung in die Psychiatrie.  So war es bei mir auch. Meine Schwierigkeiten liegen im emotionalen Bereich von Beziehungen und sozialen Kontakten.

Der Oberärztin in den psychiatrischen Kliniken unsrer Stadt war sofort klar, was mit mir los ist.  Die ersten Tests, Gespräche und Analysen bestätigten recht zügig den Verdacht. Nun warte ich auf Termine in der Asperger Ambulanz, zur feineren Diagnostik.

Alles rund um Asperger wird damit weiterer Themenberreich des Blogs